Sador Weinsčlucker "was sein kann"

Einzelausstellung mit neuen Arbeiten von Sador Weinsčlucker


Der neue Werkzyklus des Berliner Malers Sador Weinsčlucker trägt den
Titel "was sein kann" und zeigt eine imposante Reihe von Gemälden, die
jüngst entstanden sind.

Die Arbeiten Weinsčluckers tragen eine
unverkennbare eigene Handschrift, eine auf das 21. Jahrhundert
angepasste Reminiszenz an die niederländische Barockmalerei mit
cineastischer Dramatik, kompositorischem Feingefühl und im wörtlichen
Sinne tiefgründigem Farbauftrag. Formal sind es atmosphärisch
aufgeladene und auf das Wesentliche reduzierte Raum- und Aktmalereien, die miteinander im Dialog stehen.


Dieser Dialog greift thematisch auf zwei literarische Vorlagen zurück:
Lot Vekemans Ismene, Schwester von .... und Jean-Paul Sartres
Geschlossene Gesellschaft.

In Ismene, Schwester von... wird die
in Vergessenheit geratene Schwester Antigones, Tochter des Ödipus, aus
ihrem fremdbestimmten Zwischenreich geholt und ihrer eigenen Perspektive
des Familiendramas eine Bühne geboten. Die niederländische Autorin Lot
Vekemans führt eine unzureichend beachtete Persönlichkeit aus dem
Schattendasein heraus und eröffnet mit dieser neuen Sicht auf einen
längst festgelegten Verlauf den Horizont dessen, was sein kann.


Das bekannteste und erfolgreichste Stück von Jean-Paul Sartre, die
Geschlossene Gesellschaft zeichnet die grundlegenden Motive
zwischenmenschlicher Beziehungen - Liebe, Sexualität und Anerkennung -
als eine zum Scheitern verurteilte ewige Bemühung. Doch die Option der
unbekannten Möglichkeiten von Freiheit durch die geöffnete Türe ist
erschreckender als die bekannten Leiden einer erkannten und anerkannten,
resigniert akzeptierten sozialen Situation.

Der Künstler
Weinsčlucker schafft es, die vielen Perspektiven dieser beiden
Inspirationsquellen in seinen Arbeiten zu verbinden. Er fokussiert auf
das Selbst und den Blick vom Selbst auf die hinter dem eigenen
Sichtradius liegenden Erkenntnisse. Der eingeengte eigene Raum wird
aufgebrochen und verweist auf das, was jenseits des Fensters auf uns
wartet. Geräusche von Stadt oder Natur, Bedrohung oder Verführung,
Veränderung, eben das, was sein kann...

Friday, 24 April, 2015